Geburtsbericht Animagi F-Wurf: Geburt eines Einzelwelpen

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Mittlerweile habe ich in meiner Zucht schon einiges erlebt und sehr viel Erfahrung gesammelt, sowohl was das Decken betrifft als auch wie Geburten ablaufen können. Nun musste es natürlich auch bei diesem Wurf wieder etwas geben das neu ist und tatsächlich auch Latoya und Pinot haben mir eine neue Aufgabe gestellt. Nachdem dieses Mal die Honeymoon hervorragend verlaufen war erwarteten wir mit großer Freude den Ultraschalltermin. Dieser bestätigte dann auch dass Latoya trächtig war. Der Tierarzt hat aber nur ganz kurz geschallt und wollte auch nicht länger nach mehr Früchten suchen um Latoya nicht zu sehr zu stressen. So wussten wir zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht, dass es nur eine Pinoya geben würde. Erst mit Ende der 7. Trächtigkeitswoche wurde ich dann stutzig, denn so richtig dicker wollte Latoya nicht werden. Sie nahm zwar an Körpergewicht zu was man vor allem von oben gesehen erkennen konnte, aber vor allem wenn ich sie mit den Fotos der bisherigen Animagi-Mütter zum gleichen Trächtigkeitszeitraum verglich kam mir Latoya immer zu dünn vor. Irgendetwas im Marions und meinem Gefühl sagte uns dann wir sollten doch noch ein Röntgen machen um zu sehen ob es nur ein einziger Welpe sein würde oder Latoya eventuell alle Früchte resorbiert haben könnte. Ja und am Mittwoch dem 58. Trächtigkeitstag war es dann klar. Im Röntgen war nur eine einzige Frucht zu erkennen:

Röntgen Latoya

Natürlich waren wir alle enttäuscht, weil ein Einzelwelpe in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung darstellt, auf der anderen Seite waren wir auch glücklich, dass es ein Pinoya-Welpi geben würde. Der Tierarzt beruhigte uns wegen der Größe des Welpen, denn Einzelgravidität kann bei der Geburt zu Schwierigkeiten führen weil sich oftmals die Tragzeit deutlich verlängert und die Geburt zu spät in Gang kommt oder der Welpe als „Hahn im Bauch“ überversorgt wird und viel zu groß für eine normale Geburt werden kann. Bei der kleinen Pinoya schien das aber nicht der Fall zu sein.
So warteten wir geduldig auf den Tag an dem die kleine zur Welt kommen sollte. Doch Latoya machte keinerlei Anstalten, dass das bald der Fall sein sollte. Kein hecheln, keine Unruhe, kein wimmern oder Unwohlsein. Der Temperaturverlauf wurde ebenso dokumentiert und zeigte zwar einen minimalen Abfall von normalerweise durchschnittlich (ab dem 55. Trächtigkeitstag regelmäßig dokumentiert) 37,4 auf gerade einmal ganz kurzfristig 36,9 am Sonntag in der Früh. Den ganzen Tag war sie lustig, rannte am Feld durch die Wiesen, fraß ordentlich und war wie immer eine Frohnatur. Kein schweres atmen, sich immer wieder putzen, scharren, wimmern oder abwesend in die Luft schauen. Nein, es gab wirklich keinerlei Anzeichen, dass es Sonntag in der Nacht soweit sein konnte. Sie schlief gemütlich im Bett ohne dass man irgendetwas von der so genannten Eröffnungsphase der Geburt erkennen konnte. Um 03:00 wachte Marion auf weil Riccardo weinte auch da waren an Latoya keine Anzeichen zu erkennen. Sie schlief gemütlich im Bett weiter ohne sich stören zu lassen. Und dann plötzlich um 4:00 in der Früh sprang Latoya aus dem Bett und begann wie wild zu hecheln. Marion traute ihren Augen nicht und rief mich sofort an. Ich sprang in mein Gewand und startete nach Innsbruck. Nach ein paar Minuten rief mich Marion noch einmal an und meinte, dass Latoya schon pressen würde sie also ohne sichtliche Eröffnungsphase schon in die Ausreibungsphase übergegangen wäre. Ich konnte es nicht glauben und gab Gas 😉 Als ich ankam war Latoya schon fleißig weiter am Pressen, sie hatte gute und starke Wehen. Der Schleimpropf war kurze Zeit nachdem mich Marion im Auto angerufen hatte abgegangen, das Fruchtwasser fanden wir dann erst als die kleine schon da war auf der Couch 😉 Latoya war super dran und presste immer weiter. Sie wirkte dabei sehr gefasst und ließ sich gut durch uns motivieren. Doch es ging nichts weiter. Nach 2 Stunden Presswehen war immer noch keine Fruchtblase zu sehen. Wir blieben aber dennoch ruhig und bald konnte ich im Damm (von außen beim leichten Drücken unter dem After) bei jeder Presswehe den Welpen spüren. Er musste also schon mit dem Köpfchen durch die enge Stelle im Becken von Latoya gewandert sein, dennoch er schaffte es nicht bis vor zur Scheide. So riefen wir vorsichtshalber doch beim Tierarzt an. Dieser organisierte sogleich eine Assistentin und meinte wir sollen in spätestens einer Stunde in die Praxis fahren auch wenn der Welpe bis dahin schon gekommen wäre, denn so könnte er Latoya dann etwas zur Stärkung geben.
Wir bleiben also ruhig und versuchten Latoya weiter auch homöopathisch zu unterstützen ließen sie in den Garten und bewegten sie um die Blockade vielleicht doch noch zu lösen. Tja und was tat Latoya??? Natürlich, sie musste erst einmal ihr großes Geschäft erledigen. Dazu hatte sie scheinbar bis jetzt ja noch keine Zeit ;-)! Zurück in der Wohnung presste sie dann wieder weiter und so bewaffnete ich mich mit sterilen Handschuhen und viel Gleitgel. Hab ich das doch bei Micras Wurf und Nuka damals auch schon versucht. Mit einer Spritze (statt der Nadel einen Schlauch vorne dran) spritzte ich das Gleitgel in die Scheide. Auch auf meiner Finger gab ich es und versuchte vorsichtig mit dem Zeigefinger in die Scheide zu gelangen. Und da spürte ich den Welpen, den ich vorher von außen beim leichten Drücken auf den Damm schon ahnte. Es musste das Köpfchen sein, denn Beinchen (wie es bei Nuka war) fühlen sich ganz anders an. Wieder raus und noch einmal bewegen, motivieren und anfeuern. Dann noch einmal das gleiche. Ich versuchte nun mit Zeigefinger und Daumen den Welpen in der Scheide zu erfassen um dann bei jeder Wehe vorsichtig mitzuziehen. Aber es war wirklich schwer in der engen, noch nicht gedehnten Scheide das Köpfchen zu fassen. Ich weiß nicht wie lange ich versucht habe das Welpchen zwischen die Finger zu bekommen. Aber irgendwann bei einer weiteren Wehe kam der Welpe noch weiter vor und dann konnte ich ihn greifen.

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Das allererste Foto, kurz nach der Geburt der kleinen Pinoya!

Als er dann raus kam, schon ohne zweite Fruchtblase sah ich was das Problem war. Ein Beinchen war nach vorne neben den Kopf gestreckt und das musste die Blockade verursacht haben. Wahrscheinlich hatte sich die Schulter irgendwie beim Durchtritt durch das Becken verkeilt.

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Erwartet hätte ich, dass das Mädchen schon etwas schwach wäre, wegen der langen Geburt, sie aber war quicklebendig und beschwerte sich auch lautstark. Trotzdem bekam sie noch Respirationströpfchen ins Mäulchen und den Geburtsschleim putzten wir vom Schnäutzchen weg. Latoya war immer noch sehr fit und putzte das Baby instinktsicher welches sich sofort auf den Weg zur Zitze machte. Nun fehlte nur noch die Nachgeburt. Aber wir waren erst einmal glücklich, dass die Maus sicher gelandet war. Latoya bekam dann auch gleich noch etwas zu fressen was sie gerne annahm und wir einen Kaffee. So saßen Marion und ich rund um Latoya mit ihrem Baby und waren einfach nur entzückt. Nach dem Snack schlief Latoya dann mit ihrem Töchterchen ein paar Minuten bis sie wieder zu pressen begann. Und da war schon die noch fehlende Nachgeburt, die Latoya gleich verspeiste.

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Wir dachten nun sei wirklich alles gut gegangen und alles vorbei, doch nach einer erneuten Pause in der Latoya schlief wachte sie auf und war super unruhig. Sie rannte in der Wohnung herum, in den Garten wieder rein, machte sehr oft hintereinander Pipi und fing auch an extrem zu buddeln und hechelte sehr stark. Der arme Teppich in Marions Wohnung hat das sicher nicht ohne Schäden überlebt. Dann wieder Ruhe. Und nach einiger Zeit das ganze noch einmal. So ging es den ganzen Tag weiter. Mir kam es so vor als würde sie die ganzen Verhaltensmuster die normalerweise in der Eröffnungsphase der Geburt, also vor der Austreibungsphase, ablaufen, einfach jetzt zeigte. So etwas hatte ich noch nie und wenn wir nicht wegen des Röntgenbildes am vorigen Mittwoch gewusst hätten, dass es nur ein Welpe ist hätte man glauben können, dass da noch etwas kommt. Einziger Faktor der nicht passte war, dass Latoya nicht mehr presste. Auch ihre Temperatur war mit 38,6 ganz normal nach einer Geburt.

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Ich dachte schon an einen eventuell toten Welpen, den man am Röntgen nicht sehen hat können oder an eine Gebärmutterdrehung, … Dann riefen wir doch den Tierarzt an und fragten, ob meine Vermutungen stimmen könnten. Der meinte, dass das eher unwahrscheinlich sei, denn dann sollte übelriechender Ausfluss und auch Fieber zu beobachten sein. Er war sich auch sicher, dass da nichts mehr in Latoyas Bäuchlein sein konnte und bestätigte mir meine These, dass Latoya einfach etwas überfordert war und den Stress so abbaute. Am Abend ließ Latoya sich dann doch noch dazu motivieren spazieren zu gehen und da sah ich dann diesen typischen dunklen Durchfall, der durch das Fressen der Nachgeburt oft auftritt. Als wir dann zuhause waren war der Spuck vorbei. Sie war ruhig und beschäftigte sich mit ihrem Töchterchen.

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Wir freuen uns über das kleine schwarz pigmentierte, natürlich ungestromte Mädchen. Sie hatte bei der Geburt vorgestern um 8:05 ein Gewicht von 285g. Heute am Morgen hatte sie schon 372!!!g! Das haben Latoya und Pinot sehr gut gemacht.

5 Kommentare zu “Geburtsbericht Animagi F-Wurf: Geburt eines Einzelwelpen”

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  1. Susanne Walcher - 18.03.2015 at 20:43

    Danke für diesen sehr ausführlichen Bericht! Es kann so viel schief gehen, aber ihr habt die Herausforderung gemeistert! Herzliche Gratulation an alle Beteiligten!

  2. bolejos - 18.03.2015 at 22:40

    Ganz prima gemacht Schwesterherz 🙂
    Ein excellentes Hebammen und Geburtshelfer-Team
    Herzliche Grüße an euch alle und an meine kleine, entzückende Nichte 🙂
    Onkel BJ and family

  3. Monique - 18.03.2015 at 23:59

    Gratuliere, super gemacht! 285 gram….. eine kleine Puppe! Bleibt sie bei den Mama?

  4. Jolanda - 20.03.2015 at 23:20

    Schön, dass alles gut gegangen ist! Und es war eine natürliche Geburt… Danke für den spannenden Geburtsbericht!
    Liebe Grüße von uns allen!

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